Die Taliban an der Macht

Ein Kabinett nur aus Mitgliedern der Taliban, der Ministerpräsident auf einer Sanktionsliste der UN, der Innenminister ein vom FBI gesuchter Terrorist, fast alle Minister Paschtunen und keine Frau darunter – weiter von den „inklusiven“ Vorstellungen des Westens kann man kaum entfernt sein als mit dieser neuen Übergangsregierung in Afghanistan. Sie entspricht nicht einmal den Erwartungen, die die Islamisten vor Kurzem noch selbst geschürt haben.

Damit ist zumindest so viel klar: Die Taliban wollen die Macht nicht teilen, und die Chancen stehen schlecht, dass wenigstens der eine oder andere zivilisatorische Fortschritt, den der Westen an den Hindukusch gebracht hat, ihre zweite Herrschaft übersteht. Wieder möchte man die Politiker in Washington, Brüssel oder Berlin fragen: Wie kommt es, dass ihr offenbar geglaubt habt, es könne anders laufen?

Für die Stabilität Afghanistans verheißt diese Kabinettsliste nichts Gutes. Die Dominanz der Paschtunen wird den anderen Volksgruppen nicht gefallen, was dem Widerstand Zulauf bescheren könnte. Und eine Regierung, die sagt, sie suche noch qualifiziertes Personal, ist keine gute Voraussetzung, um Staat und Wirtschaft nach dem jähen Umsturz am Laufen zu halten.

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